Heute Morgen wurde der Pfarrer erwartet, der unsere WG segnen wollte. Das ist so üblich in Italien, dass die Geistlichen vor Ostern jedes Haus besuchen, um es zu segnen.
Unsere Frauen hatten gestern extra gründlich geputzt, wovon ich sie leider nicht abhalten konnte. Da wir nicht die genaue Uhrzeit wussten und er in unsere Wohnküche kommen würde, war es sehr schwierig, das allmorgendliche Schlachtfeld zu vermeiden. Denn einen zu schlechten Eindruck wollten wir ja doch nicht machen. Aber ich hatte mir in den Kopf gesetzt, eine Orangenmarmelade zu kochen, deren Duft sich überall verbreitete. Aber immerhin besser, als Kohlgeruch. Na, und dann war er plötzlich da, von zwei unserer Verantwortlichen begleitet. Er ging gleich auf mich zu, denn mein Gesicht war ihm neu. Als er meinen ausländischen Namen hörte, war er etwas verlegen, denn daran ist er hier auf dem Lande nicht gewöhnt. Ich fand ihn total süß, denn er war jung, sah gut aus und hatte eine sehr liebenswerte Art! Die Gebete, die wir dann zusammen sprachen, konnte ich alle nicht mehr auswendig, aber das hat er mir als Ausländerin sicher nicht übelgenommen.
Gleich anschließend hatten wir Handwerker im Haus, mit denen ich mich über das Kochen von Orangenmarmelade unterhielt. Meine ist leider viel zu süß geworden. Die Arbeit hätte ich mir sparen können.
Nachmittags kam dann Tamara aus Florenz, die mich nun für ein paar Tage umtüdeln wird. Heute Abend hat sie sofort einen Kuchen gebacken und auch meinen Abwasch übernommen und morgen will sie etwas Gutes kochen.